Home Steiermark-Liezen WT295 Auch schon vergesslich?

Auch schon vergesslich?

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Offenbar nähere ich mich einem Alter, in dem das Gehirn manchmal nicht mehr so richtig mitspielen wird. Zunehmende Verkalkung, hat mir mein Arzt anhand eines Röntgenbildes erklärt und entsprechende Medikamente verschrieben, welche ich auch brav schlucke. Dazu kommt noch, dass ich mir mit dem Gehen immer schwerer tue, weshalb ein Gerät mit Rädern, aus Kostengründen leider kein Auto, „aushelfen“ muss.
Das regelmäßige Schreiben von kurzen Geschichten und Glossen für Printmedien wie dieses hält mich noch einigermaßen aufrecht, auch wenn es mit den „pfiffigen“ Ideen auch nicht mehr so weit her ist. Das soll Sie, geneigte Leserinnen und Lesern, jedoch nicht davon abhalten, sich meine Zeilen mit mehr oder weniger Interesse weiterhin zu Gemüte zu führen. Versuche, schon seit meiner Jugend, ein Tagebuch zu führen, sind mangels der dafür notwendigen Disziplin, stets kläglich gescheitert. So verlasse ich mich auf Erinnerungen, die allerdings auch immer mehr verblassen – ausgenommen jene, an schöne Zeiten. Es ist offenbar ohnehin besser, Unangenehmes zu vergessen, oder?
Neuerdings schlafe ich nicht besonders gut. Albträume suchen mich immer öfter heim und rütteln an meinen an und für sich dem Humor zugeneigten Nerven. Schütt’ die Sorgen in ein Gläschen Wein, ist seinerzeit meine Devise gewesen. Doch nun verträgt sich der Alkoholgenuss nicht mit den Medikamenten. Eigentlich nicht schlecht, so bleibe ich nüchtern und sehe der Realität mitunter missmutig in die – beim Schreiben brillenbewährten – Augen. Mehr an die frische Luft gehen, rät der Onkel Doktor. Allerdings ist das planlose Herumspazieren oder gar das anstrengende Wandern noch nie mein Ding gewesen. Soll ich jetzt – laut Sozialversicherung mich im sogenannten Ruhestand befindend – noch etwas daran ändern? Wohl nicht, der Mensch ist ja auch ein Gewohnheitstier, auch wenn kluge Leute in wohlmeinenden Sprüchen Gegenteiliges von sich geben. Ich bin ja ein Büchernarr – aber Seelenratgeber, in denen ich früher ab und zu geblättert habe, bleiben für mich eher nutzlos bedrucktes Papier.
So, nun will ich Sie mit meinem Geschreibsel nicht länger langweilen und wünsche Ihnen, was auch ich mir wünsche: Freude am Dasein, auch wenn die momentane Verfassung nicht die beste sein sollte und die Beherzigung meiner Devise: Wir kämpfen weiter! In diesem Sinne: Glück auf!

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