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Spare in der Not

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Der Kalender zeigt üblicherweise 365 Tage an. Doch neben den sieben Wochentagen gibt es auch noch eine Reihe von Sonder- und Extratagen. Zum Beispiel Geburts- und Namenstage, Hundstage, Feiertage, blaue Montage, Schalttage, den Tag des Baumes, der offenen Tür, des Buches oder den Weltspartag. Und aus diesem Anlass werden überall mehr oder weniger tiefschürfende Betrachtungen über das Sparen, seinen Sinn, Zweck und Wert angestellt.
Wer hat das Sparen erfunden? Niemand weiß es so genau.
Im Lexikon steht auch nur: Sparen – Einlegen von Geldern, die dem unmittelbaren Verbrauch vorenthalten werden.
Das Kind bekommt eine Sparbüchse. Diese besteht vielleicht aus einem kleinen Hexenhäuschen, das neben dem Kamin einen Einwurfschlitz hat. Hauptsächlich aber gilt das Sparschwein als das Wappentier der Rücklage und des heimlichen Wohlstandes. Warum, hat nie ein lebender Mensch ergründet. Möglicherweise, weil dieses Rüsseltier auch die miserabelste Währung frisst.
Die Sparmotive sind grundverschieden. Man kann für Weihnachten, eine Reise nach Trinidad, seine Enkelkinder, einen Rasenmäher, einen Skikurs oder einen Tauchsieder sparen. Auch das Sparen ohne besonderes Ziel wird gepflegt. Dafür stehen zudem Sparkassen zur Verfügung.
Viele Leute sparen nach einem genau festgelegten Plan und rechnen mit Tages-, Monats-, Jahres- und Zinseszinsen. Doch die Zeit und das Schicksal stellen oft eine eigene Rechnung auf, und dann stimmt das kleine Einmaleins des Menschen nicht mehr.
„Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“, lehrt ein Kalenderspruch. Und die braven Leute tun es. „Spare in der Not, da hast Du Zeit“, argumentiert dagegen Otto. Und er sagt auch: „Meine Sparkasse ist mein Bauch. Was meinst du, was mich der schon gekostet hat!“
Aber der Sparsamkeitssinn hat noch andere Verwandte, weit schlimmere. Beispielsweise den Geiz. Wenn jemand die Sparerei übertreibt, sagt man hierzulande auch: „Der verhungert noch vor der vollen Schüssel.“ Vorsicht ist angebracht, wenn Politiker vom Sparzwang reden. Aber das ist wohl ein heikles Thema.
Den Gipfel der Sparsamkeit dürfte wohl ein Dorfbürgermeister erklommen haben. Angeblich habe er dem Pfarrer eine finanzielle Zuwendung zwecks Anschaffung neuer Stricke für die Kirchenglocken verweigert. Spötter sagen nun: „Fürs Gebetläuten müssen deshalb die Ministranten den Kirchturm schütteln.“