Home Steiermark-Liezen WT293 gesund und fit: Die „Brauerei“ in Ihrem Bauch

gesund und fit: Die „Brauerei“ in Ihrem Bauch

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Dass unsere Gesundheit zu großen Teilen vom Darm ausgeht, ist grundsätzlich nicht neu. Die Darmgesundheit ist damit ein unerlässliches Gut, das wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen sollten. Wie drastisch die Folgen sein können, wenn wir auf unseren Darm nicht achtgeben, erzählt die folgende Geschichte: Ein renommierter amerikanischer Arzt war höchst überrascht, als ein 61-jähriger Patient in seine Praxis kam und über eine immer wieder auftretende, unerklärliche Trunkenheit in den letzten Jahren klagte. Manchmal waren zwei Gläser Bier oder einige alkoholhaltige Pralinen schon ausreichend für sein unverhältnismäßig betrunkenes Empfinden und Verhalten. Die Symptome traten auch nach dem Auslassen einer Mahlzeit, nach sportlicher Betätigung und nach einem Alkoholkonsum am Vortag auf. Die Ehefrau des Patienten, eine gelernte Krankenschwester, begann im Laufe der Jahre die zunehmende Trunkenheit zu dokumentieren, weil beide nicht verstanden, wie es dazu kommt.
Als Höhepunkt dieser „Trunkenheit“ wurde der Mann mit mehr als 3 Promille ins Krankenhaus eingeliefert, ohne einen einzigen Schluck Alkohol getrunken zu haben. Die Ärzte glaubten ihm das nicht. Ein Jahr später untersuchte besagter Arzt den Darm des Mannes und fand neben dem Bakterium Helicobacter pylori noch ein weiteres Bakterium namens Saccharomyces cerevisiae. Dieser Hefepilz wird unter anderem zum Gären bei der Bierherstellung verwendet – und hatte die „günstige Gelegenheit“ genützt, sich im Darm des Mannes anzusiedeln, als dieser nach einer Operation eine Antibiotika-Kur machen musste und sein Immunsystem dadurch geschwächt war.
In weiterer Folge wurde der Patient 24 Stunden im Krankenhaus überwacht und immer wieder untersucht. Während seines Aufenthalts wurde ihm eine kohlenhydrathaltige Kost gegeben, denn genau das brauchte das Bakterium, um Alkohol herzustellen. Seine Alkohol- und Zuckerwerte wurden regelmäßig gemessen – und erreichten tatsächlich 1,2 Promille! Da waren schließlich auch die Ärzte im Krankenhaus überzeugt. Nach einer Behandlung der Darmflora und der Entfernung des schädlichen Bakteriums trat bei dem Mann keine Trunkenheit mehr auf. Diese Krankheit wird als „Gut Fermentation Syndrome“ bezeichnet. Sie äußert sich dadurch, dass Patienten betrunken werden, ohne Alkohol zu trinken, da der im Darm angelagerte Hefepilz Kohlenhydrate in den Trinkalkohol Ethanol umwandelt. Die frühesten Studien zu diesem Thema stammen aus Japan, und es gibt inzwischen bereits Studien, die erkrankte Kinder untersuchen.
Diese Geschichte ist nur ein Beispiel dafür, welche negativen Folgen einige schlechte Bakterien im Darm hervorrufen können.

Darf man am Abend Obst und Gemüse essen?
Grundsätzlich ja! Die Behauptung, dass Rohkost abends verzehrt in der Nacht im Magen zu gären anfängt, stimmt nicht. Es gibt allerdings Fälle von verschiedenen Unverträglichkeiten, die – z.B. wie oben beschrieben – auch auf ein geschädigtes Bakterienmilieu im Darm zurückzuführen sind. Empfohlen wird grundsätzlich, die letzte Mahlzeit nicht innerhalb drei Stunden vor dem Schlafengehen einzunehmen. Darüber hinaus schlafen die meisten Menschen schlechter mit vollem Magen. Wichtig ist jedoch, tagsüber genügend Obst und Gemüse zu essen, um die gesundheitsfördernde und präventive Wirkung der enthaltenen Inhaltsstoffe voll auszunützen. Abends sollten Sie eher darauf verzichten, denn

Obst hält uns wach!
Obst enthält bekanntlich viel Fruchtzucker, auch Fructose genannt. Fructose gehört zu den Kohlenhydraten und wird in der Leber verarbeitet. Dabei wird die Fettproduktion angeregt. Wenn Sie einen empfindlichen Magen haben, dann wird Sie die nächtliche Verdauung möglicherweise wach halten. Vor allem, wenn Sie kurz vor dem Schlafen gehen etwas gegessen haben. Wenn Sie abends nicht auf Obst verzichten wollen, essen Sie besser ein Stück Banane. Das darin enthaltene Magnesium ist gut für die Muskeln und stärkt Sie für den nächsten Tag.

Fructose-Intoleranz
Menschen, die nach dem Verzehr von Obst Bauchkrämpfe bekommen und sich nicht wohl fühlen, leiden oft an Fructose-Intoleranz. Wenn dies der Fall ist, sollten Sie weniger Fructose zu sich nehmen oder ganz darauf verzichten. Leider wird Fructose heute auch in sehr vielen Fertigprodukten industriell hergestellt, was ein zunehmendes Problem darstellt. Näheres zur natürlichen Fructose und zur gefährlicheren industriell hergestellten Fructose in unserer nächsten Ausgabe.