Home Steiermark-Liezen WT288 frisch notiert: Komm lieber Mai…

frisch notiert: Komm lieber Mai…

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…und mache die Bäume wieder grün. Eine Hoffnung, die von derzeit üblichen Wetterkapriolen nicht immer erfüllt wird. Das Wetter mit seinen Stichdaten Frühling, Sommer, Herbst und Winter spielt mitunter verrückt, trotzdem lasse ich mir davon die gute Laune nicht verderben.
Manche Zeitgenossen meinen ja, wir würden zuviel über das Wetter reden. Ich denke aber, man kann gar nicht genug darüber reden. Was etwa bedeutet es für unser Stimmungsbarometer, wenn der Wetterbericht sich beispielsweise auf die Meldung „Für die Jahreszeit zu kühl“ beschränkt? Eigentlich, wie ich es sehe, wenig bis gar nichts.
Heutzutage gibt es kein „zu kühl“ und „zu warm“ mehr. Heute ist es mal so, mal so.
Entweder schwitzt man im April wie ein Schmalzbettler oder klappert im Mai vor Kälte mit den Zähnen. Die Jahreszeiten haben offenbar ihre Verlässlichkeit verloren.
Meteorologisch muss man im Grunde jeden Tag mit allem rechnen. „Für die Jahreszeit zu kühl“ – wer heute noch so redet, ist ein Wolkenschieber. Er verschleiert das eigentlich Beunruhigende. Beunruhigend ist nicht, dass wir Mitte Mai eventuell wieder die Wollsachen herauskramen müssen, von denen wir Mitte April meinten, sie bis zum Herbst in den Schrank schließen zu können. Beunruhigend ist, dass der Maßstab der Jahreszeit selbst ins Rutschen gekommen ist.
Die Wahrheit ist doch die: Keiner kann mehr wissen, ob es gerade zu kühl oder zu warm oder zu sonst was ist. Die Jahreszeiten haben unter der Hand aufgehört, die Stichtage für eine Einteilung des Lebensgefühls zu liefern. Das Wetter hat nichts Konstantes mehr. Statt im Rhythmus der Jahreszeiten zu schwingen, sieht man sich jeden Morgen dem Chaos der Natur ausgeliefert. „Für die Jahreszeit zu kühl oder zu warm“ – das trifft die Situation nicht mehr. Also, Schluss mit Meldungen dieser Art. „Für die Jahreszeit nicht weiter wesentlich“. Das ist alles, was der Wetterbericht noch feststellen kann. Mir genügt das ohnehin.
Bevor ich aus dem Haus gehe, schaue ich einfach aus dem Fenster. Und was ich wettermäßig zu sehen bekomme, beeinflusst mein Verhalten. Entweder ich bleibe daheim – oder wähle fürs Rausgehen die passende Kleidung. So kann Petrus im Wonnemonat das anstellen, was ihm gefällt. Und schmachtenden Liebespaaren, deren es im Mai ja bekanntlich viele geben soll, dürfte das Wetter ohnehin ziemlich gleichgültig sein, sie sind höchstwahrscheinlich ausschließlich mit sich selber beschäftigt. Diese Freude wollen wir ihnen gönnen, nicht wahr?