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Eine Art von Liebe

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„Seitdem ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere“ – Ein Satz, der Enttäuschung verrät und verschüttetes Vertrauen. Zu anderen, aber auch zu sich selbst. Wen liebt er denn nun, der menschenmüde Mensch? Streichelt er den Goldfisch? Klagt er der Nachtigall sein Leid? Vertraut er dem Tiger? Füttert er Ratten und lässt Stechmücken und Motten ungeschoren? Wo fängt seine Liebe an? Wo hört sie auf?
Wie groß ist Dein Tierreich, Menschenfeind?
Ach, es ist klein, steht auf vier Beinen und bellt. Vor Freude natürlich, weil Frauchen oder Herrchen kommt. Hat einen Schwanz, fast ausschließlich zum Wedeln, seltener zum Einkneifen. Beides macht besonders Herrchen total glücklich. Weil Herrchen spürt, dass Herrchen Herrchen ist.
Mit seinem Hund hat er Anhänglichkeit gekauft, die er, wenn er will, mit keinem anderen teilen muss. Das ist legitim. Keiner findet es anstößig. Nur einem Menschen, der Menschen kauft, macht man üblicherweise den Prozess. Und den Käuflichen bezeichnet man gerne als Subjekt.
Züchtige deinen Hund, was mitunter notwendig sein kann – er wird dich nicht beißen. Die Rangordnung unter euch beiden hat sich zu deinen Gunsten entschieden, als du ihn an die Leine nahmst. Und das tut dir wohl. Winselnd wirst du um Gutsein gebeten. Wem wird das schon von Menschen zuteil?
Erziehst du ihn gut, deinen Hund, beißt er, wen immer du willst. Und stundenlang kannst du ihn „ablegen“ – vor dem Büro oder dem Kaufhaus. So geduldig wartet sonst niemand. So rührend freut sich bei deiner Rückkehr kein Mensch. Du kannst deinen Hund mit Pralinen und Torte mästen und dadurch seinen Geschmackssinn so sehr verfeinern, dass er nur noch mit Butter Gebackenes akzeptiert. Du kannst durch harten Ruck an der Leine verhindern, dass er an Bäumen oder Laternenpfählen – den Litfaßsäulen der Hunde – liest, wer in letzter Zeit anwesend war.
Erlahmst du nicht in deinen Bemühungen, schaffst du es bestimmt, den Hund vergessen zu lassen, dass er ein Hund ist. Dein Bein wird er schöner finden als die reizendste Pudelmadame. Dann bist du ganz sein Herr. Es gibt nicht andere Götter neben dir.
Wirklich, eine solche Treue kann man nur wenigen Menschen nachsagen.