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Kennen auch Sie Worterfinder?

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Es gibt zwei Gruppen von Leuten, die neue Worte entwickeln. Einerseits besonders gescheite oder sich besonders gescheit fühlende Akademiker, die felsenfest davon überzeugt sind, ihre Gedanken seien auf so einmalige Weise bedeutungsvoll, dass das bestehende Vokabular nicht ausreiche, um sie wirklich exakt auszudrücken.

Die anderen Worterfinder sind junge Leute. Für sie ist Sprache ganz selbstverständlich etwas Plastisches, das man jederzeit nach Lust und Laune spielerisch verändern kann. Natürlich betätigen sich auch Werbeleute gerne sprachschöpferisch und vereinen, wie ich denke, die beiden Gruppen in sich. Diese Texter sind kindliche Wesen, die sich und ihren Kunden einreden, sie betrieben eine exakte Wissenschaft. Ich weiß, wovon ich rede beziehungsweise hier schreibe, immerhin kann ich auf eine jahrzehntelange Mitarbeit in einer Grazer Werbeagentur verweisen.

Doch die wahren Spracherfinder sind Teenager. Ob ein Wort im Duden steht, oder eine grammatikalische Konstruktion von irgendwelchen beamteten Oberlehrern als korrekt anerkannt wird, das ist ihnen total egal. Mir fällt momentan nicht ein, welches Synonym man in dieser Generation gerade für „egal, gleichgültig, am Arsch vorbei gehend“ benutzt. Ich weiß nur, bis ein Wort bis zu mir altem Sack durchgedrungen ist, ist es bei seinen Erfindern bestimmt schon längst wieder aus der Mode gekommen. Und wenn wir Alten – für Teenager sind es wir ja bereits ab 30 –  versuchen, so zu reden, wie wir es naiver Weise für heutig halten, ernten wir zu Recht von den Jungen nur mitleidige Blicke.

Eigentlich ist das ja auch kein Problem. Außer wenn wir versuchen, die Sprache junger Leute nachzuahmen. Dann machen wir uns rettungslos lächerlich. Oder wie die Teenager statt „lächerlich“ sagen. Ich muss zugeben – ich habe keine Ahnung, wie sie es sagen. Trotzdem ist es hin und wieder gar nicht so verkehrt, sich mit jungen Zeitgenossen zu unterhalten, wenn es einem überhaupt gelingt. Wenn ja, dann kann es zu einer Art Völkerverständigung unter Inländern kommen, was ja mitunter auch nicht so übel sein kann. Und wenn sich – wie immer häufiger feststellbar  – Anglizismen in die bei uns übliche Sprache mischen, könnte das ein Anreiz zur Erweiterung von Fremdsprachenkenntnissen sein. Und sollte es nur zu einem „How do you do“ oder „ okay“ reichen. Außerdem kann man ja nie ganz sicher sein, ob derjenige, der uns in einer fremden Sprache anredet, nicht ebenfalls zu den Worterfindern zählt.

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