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in-bewegung-bleiben: Der Reichtum der Einsamkeit

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Gut besuchte Berggipfel – Touren, die jeder kennt und demnach gegangen sein will (oder „muss“) – gefüllte Hütten (mit Gondel erreichbar) – jede Menge Essensangebote und Getränke – bestenfalls noch mit Live-Musik – ja, Wandertage sind sehr beliebt! Und es ist GUT so, dass sich der Mensch gerne in der schönen Natur an der frischen Luft sportlich betätigt.

Eine andere Art von „Reichtum“ in den Bergen findet man auf Wegen, die nicht allzu „prominent“ sind – einsame Gipfel und Seen versprechen ein besonderes Erlebnis. Die Chance auf ein „Date“ mit vierbeinigen Bergbewohnern und seltenen Alpenblumen steigt um einiges – und auch leidenschaftliche Sammler von Kräutern und Pilzen werden leichter fündig, wenn sie nicht abgelenkt sind.

Was man in jedem Fall trifft – ob man möchte oder nicht – ist die Stille. Und mit ihr kommen meist viele Gedanken – oft kreativ und frei von all den Alltagssorgen, die getrost im Tal bleiben (und somit gleich um einiges kleiner wirken).

Wenn man Edmund Hillary glaubt (neuseeländischer Bergsteiger und Erstbesteiger des Mount Everest), ist es nicht der Berg, den man bezwingt, sondern das eigene Ich. In der Tat hat man in der Einsamkeit der Berge mehr Zeit für sich – man muss sich diese nicht nehmen (wie zu Hause – zwischen Familie, Arbeit und Freunde treffen), sondern sie ist unweigerlich da – und man kann sie sehr gut nützen.

Den Rucksack gepackt mit einer kleinen Decke und eine guten Jause gehe ich sehr gerne alleine los (natürlich nicht ohne guter Tourenvorbereitung und wichtiger Ausrüstung – sonst kann es gefährlich werden!) – und komme regelmäßig bereichert (allerdings um die Jause erleichtert) und mit einem Lächeln im Gesicht zurück.

Es gibt sehr viele markierte Wege fern ab von den Massen, die wunderschön angelegt, gepflegt und es wert sind, begangen zu werden. Versuchen Sie es einfach mal (Reinhold Messner sagte neulich bei einem Vortrag: Wer es nicht wagt, der kann nicht einmal scheitern!) – mit dem abschließenden Spruch und viel Freude im Herzen:

Wir besteigen Gipfel, weil wir sie lieben – wir lieben die Orte, an die sie uns bringen – und wir lieben es, unterwegs etwas über uns selbst zu lernen!

Ed Viesturs (US-amerikanischer Höhenbergsteiger)