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magazyn: Missglückte Willkommenskultur

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Die Gäste im idyllisch gelegenen Gasthaus lassen sich das Feierabendbier schmecken. In einer Ecke sitzen vier fremdländisch aussehende Männer.  Ab und zu sprechen sie miteinander, aber so leise, dass ihre Herkunft nicht ermittelt werden kann.  „Werden Flüchtlinge sein, von da untern wahrscheinlich“, murmeln die Einheimischen am Stammtisch.  Einer davon guckt kurz über den Rand der Tageszeitung,  runzelt die Stirn und meint erklärend: „Leute aus dem Kosovo halt, die nicht zurückwollen und auf unsere Kosten hier leben möchten.“ Indessen hat einer der Fremden aus seiner Sakkotasche eine Mundharmonika gezogen, auf der er gekonnt zu spielen beginnt. Der Kamerad neben ihm fängt zu singen an, die anderen zwei stimmen leise summend ein. Die Gäste blicken auf, verwundert, neugierig horchend…

Die Kellnerin kommt. Der Herr mit der Zeitung winkt sie an den Tisch. Eilfertig erkundigt sie sich, ob das Singen ihn störe. „Wir brauchen diese fürchterlichen Klänge nicht!“ zischt er scharf und böse. Niemand widerspricht ihm. Die „Schankbeamtin“ marschiert forsch auf den Tisch der Fremden zu, macht eine energisch abwehrende Handbewegung und sagt streng: „Meine Gäste wünschen das nicht.“  Der kaum begonnene Gesang bricht ab. Wortlos schiebt der Mann sein Instrument zurück in die Rocktasche. Seine Kameraden schweigen wie er. Vier Männer, deren Gesichter nichts verraten, weder Enttäuschung noch Zorn. Ihr Schweigen ist plötzlich „hörbar“, ist unbehaglich, ist peinlich. Die anderen Gäste retten sich in Gespräche – und bald ist alles wieder vergessen.

Auf  dem Heimweg fallen den Stammtischbrüdern frisch angebrachte Plakate auf, die zu einem Konzert samt anschließenden geselligem Beisammensein am Abend des nächsten Tages im gemeindeeigenen Kultursaal einladen. „Das hören wir uns an“, sind sich die Stammtischbrüder einig. Tatsächlich zählen sie dann zur  Besucherschar im ausverkauften Saal und staunen nicht schlecht, als sie die vier Männer in bunter Bekleidung flott aufspielend auf der Bühne sehen. Im Programmheft blätternd, lesen sie: „I Muvrini“ – bekannte Gruppe aus Korsika“ und den Hinweis: „Einziger Auftritt in Österreich.“  Beschämt über ihre im Wirtshaus bekundete und offensichtlich missglückte Willkommenskultur fällt der Beifalls der Stammtischler besonders kräftig und lang andauernd aus, was ihnen zudem Be- und auch Verwunderung bei den Sitznachbarn im Saal einbringt. Die Wiedergutmachung beruhigt ihr schlechtes Gewissen…