Home Steiermark-Liezen WT279 magazyn: Sehen Sie beim Kochen Sterne?

magazyn: Sehen Sie beim Kochen Sterne?

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Also, ich gebe es unumwunden zu – ich kann und will überhaupt nicht kochen. Sogar seinerzeitige mehrmals durchgeführte Versuche, eine Eierspeise zuzubereiten, endeten mit  angebrannten Pfannen samt pechschwarzem Inhalt. Das hat meinem Ehrgeiz einen bleibenden Dämpfer versetzt. Wohlwollende Nachbarn  haben mir deshalb geraten, im Fernsehen den Anleitungen von Sterne-Köchen zu folgen. Derartige Könner kochen also Sterne. Schließlich führen sie ja nicht grundlos diese Bezeichnung. Würde ein Koch im TV nämlich Suppen kochen, hieße er ja Suppenkoch. Außerdem erheben sich beim Sternekochen viele Fragen. Ich suche nach Antworten.  In einem Handbuch für angehende Sternköche, das mir leihweise zur Verfügung steht,  finde ich den Hinweis: Prinzipiell sind alle Sterne gleich gut zum Kochen geeignet. Sehr beliebt sind beispielsweise Sterneeintopf, auch Galaktisches Allerlei genannt, oder Sternpüree mit gebratenem Kometenschweif, oder auch flambierter Doppelstern zum Planetenkompott. Kinder bevorzugen Stars & Stripes, also Sterne mit Pommes. Da neuerdings aber so viele Sterneköche im Fernsehen auftreten,  könnte jedoch bald ein Raubbau an den Sternen eintreten, wird im Buch gewarnt. Ja und nein, erklärt ein besonders prominenter Star dieses Metiers. Und er setzt sich vehement dafür ein, nur Bio-Sterne zu verbrauchen. Andere Sterne werden nämlich jedes Jahr Anfang Jänner für die vielen umherziehenden Sternsänger benötigt. Dass Sterne auch gegrillt werden können, steht ebenfalls im Handbuch. Aber beim Grillen dauert es recht lange bis der Stern essfertig ist, da braucht man zusätzlich noch eine Sternwarte. Trinken kann man zu Sterngerichten prinzipiell alles. Beim Essen auf der Straße empfiehlt sich natürlich Milch. Zuhause oder in Fünf-Sterne-Restaurants ist ein Wein, ideal Spätlese, passend. Keinesfalls  jedoch die Frühlese, weil man Sterne nur spät sehen kann, wenn es draußen schon dunkel ist, weswegen die Frühleseflaschen meist teuer, aber leer sind.

Ziemlich verwirrt lege ich den Ratgeber zur Seite. Möglicherweise setzt mir auch die Hochsommer-Hitze zu und belastet mein Denkvermögen. Eines weiß ich aber erneut: Ich will nicht kochen – und es auch nicht erlernen. Sollen andere das Sternekochen ausprobieren und es möglicherweise zu einem anerkannten Sternekoch mit Fernsehkarriere  bringen. Jetzt verspüre ich allerdings ein Hungergefühl. Ich mache mich daher auf und besuche meinen Lieblingswirt. Er  betreibt glücklicherweise kein Sterne-Restaurant.